Torre Bellesguard

Das Landhaus Torre Bellesguard trägt den offiziellen Namen Casa Figuras. Es ist das persönlichste Bauwerk von Antoni Gaudí, da er totale Handlungsfreiheit bei seiner Konstruktion hatte und als einzige Bedingung die Ruinen der vorhandenen, mittelalterlichen Burg berücksichtigen musste, die sich in der Umgebung befanden. Trotz all dieser Elemente und dass es als Kulturerbe seit dem Jahr 1969 katalogisiert wurde, handelt es sich um eines der weniger bekannten Werke des modernistischen Architekten. Diese Tatsache rührt sicherlich daher, weil es sich fern ab vom Stadtzentrum im Bezirk Sarrià – Sant Gervasi und am Fuße der Bergkette Collserola befindet. Hinzu kommt, dass es seit dem Jahr 2013 noch nicht offiziell für Besucher geöffnet worden ist.

Die Burg von König Martin I

Die Geschichte des Torre Bellesguard geht in die Anfänge des 15. Jahrhunderts zurück, als der König Martin I. von Aragon, auch als Martí der Humane bekannt, forderte, eine Burg für seine Residenz mitten auf dem Berg zu bauen. Der Berg war ein strategischer Ort, der ihn von der schlechten Luft entfernen sollte, die man in der Nähe des Meeres einatmete und die zudem seine übel zugerichtete Gesundheit belastete. In dieser Burg heiratete König Martin Margarita von Prades in einer Zeremonie, die von Benedikt XIII. (Papst Luna) und dem Mönch Vicente Ferrer gehalten wurde. Ein Jahr später starb der König, wodurch die Burg in einen verlassenen Zustand fiel, der mehrere Jahrhunderte andauerte. Sie wurde sogar zu einem nächtlichen Zufluchtsort eines der bekanntesten und geschätzten Straßenräuber des 17. Jahrhunderts: Serrallonga.

Torre Bellesguard von Gaudí

Das Landhaus Torre Bellesguard wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts (1900-1909) entworfen und war ein Auftrag an Antoni Gaudí von María Sagués Molins, der Witwe von Jaume Figueras. Der Architekt war sich bewusst, dass der Auftrag auf dem gleichen Land durchgeführt werden würde, auf dem damals die Burg von König Martí errichtet wurde. Er wollte die sichtbaren Überreste der Burg, wie im Fall der Stadtmauer, erhalten und für den Bau noch weit darüber hinausgehen. Deshalb schlug man vor, ihm dafür besonders zu danken. Die Fassade des erbauten Turmes ähnelt eher dem Abbild einer Burg als den vom Architekten bekannten Fassaden von Bauten wie z.B. dem Casa Batlló oder dem Casa Milà. Dennoch gibt es etwas Gemeinsames mit den übrigen Werken: die große Anzahl an Symbolik in all seinen Elementen.

Fassade Torre Bellesguard

Mehrere der Elemente des Torre Bellesguard sind von Anfang bis Ende von Antoni Gaudí entworfen, aber von einem seiner Mitarbeiter durchgeführt worden. So ist es der Fall bei den auffallenden Mosaik-Bänken, welche ein Werk von Domènec Sugrañes i Gras sind und mittels der Trencadís-Technik (Trencadís bedeutet zerbrochen) entstanden sind. Leider hat man die ursprünglichen Möbel des Torre Bellesguard nicht erhalten können, weil sie während des Spanischen Bürgerkrieges konfisziert worden sind und das Haus als Waisenhaus in dieser so bebenden Epoche diente. Man verbrannte all die Möbel, um die Kinder im kalten Winter warm zu halten. Als der Kampf vorbei war wurde das Haus von dem angesehenen Onkologen Lluís Guilera Molas gekauft, der es renovierte und an die Nutzung als Krankenhaus anpasste, von dem heute immer noch der Autopsie-Saal erhalten ist.

Die Besichtigung des Torre Bellesguard

Es gibt zwei Möglichkeiten das Torre Bellesguard zu besichtigen: die geführte Besichtigung (die den Rundgang durch die Gärten und einen Teil des Inneren des Turmes umfasst) und die Panoramabesichtigung (freier Zutritt zum Garten und dem Außenbereich mit einem Audioguide).

Besichtigung Torre Bellesguard

Besichtigung Torre Bellesguard

Kaufen

Barcelona Turisme

Besuch mit Audioguide

Besuchszeiten: Dienstag bis Samstag von 10:00 bis 15:00.

Erwachsene: 9,00€.
Ermäßigt: 7,20€ (unter 18-Jährige und über 65-Jährige).
Umsonst: Kinder unter 8 Jahren.

Englisch, Spanisch, Katalanisch, Französisch, Japanisch und Russisch.

Geführte Besichtigung

Auf Spanisch: Samstag um 12:00 Uhr und Sonntag um 13:15 Uhr.
Auf Katalanisch: Samstag um 13:15 Uhr und Sonntag um 12:00 Uhr.
Auf Englisch: Samstag und Sonntag um 11:00 Uhr.

Erwachsene: 16,00€.
Ermäßigt: 12,80€ (unter 18-Jährige und über 65-Jährige)
Umsonst: Kinder unter 8 Jahren.

1 Stunde / 1h 15 min

Geschlossen: Montags (nicht feiertage), 1. und 6. Januar und am 25. und 26. Dezember.
Gruppenbesichtigungen

Für reine Gruppenbesichtigungen (höchstens 15 Personen) sowie geführte Besichtigungen in anderen Sprachen muss man eine vorherige Reservierung über die E-Mail oder per Telefon tätigen.

reserva@bellesguardgaudi.com
(+34) 93 250 40 93

Mit Audioguide
Erwachsene: 9,00€
Ermäßigt: 7,20€
Umsonst: Kinder unter 8 Jahren
Geführte Besichtigung
Erwachsene: 14,00€
Ermäßigt: 12,80€
Umsonst: Kinder unter 8 Jahren

Bereiche, die besichtigt werden können

Zurzeit ist das Torre Bellesguard weiterhin der private Wohnsitz der Familie Guilera, weswegen man nicht alle Stockwerke des Gebäudes besichtigen kann.

Saal der Ziegel
Er ist auch als Musiksaal bekannt und weist eine hervorragende Akustik auf.

Die Terrasse
Sie ist einer der reizvollsten Bereiche der Besichtigung. Man kann von ihr aus den Giebel aus der Nähe betrachten sowie die Form des Drachens sehen, den Gaudí entwarf. Zudem hat man von ihr aus wunderschöne Blicke auf die Serra de Collserola und Barcelona.

Die Reitställe
Antike Reitställe, in denen man eine kleine 3D-Ausstellung aufgebaut hat. An diesem Ort befindet sich auch der Souvenirladen.

Gärten

Die Gärten und der Außenbereich

Das Hauptinteresse des Besuchs liegt vor allem bei seinem Außenbereich, weil man in diesem Bereich die Reste der mittelalterlichen Burg aus dem 15. Jahrhundert sehen kann. Auch wenn dies das historisch interessanteste Element in den Gärten ist, gibt es noch eine Vielzahl an interessanten Ecken und Besonderheiten.

Steinbänke Torre Bellesguard

Wappen der Krone von Aragón
Es befindet sich am Anfang des Rundganges durch den Garten, am zusätzlichen Aufbau der ursprünglichen Stadtmauer der Burg. Man sieht auf ihm zwei Daten: 1409 – zu Ehren des Bauwerks der Burg von König Martí und 1909 – in Erinnerung an die Fertigstellung des Torre Bellesguard. Zudem sieht man eine aufgehende Sonne. Sie ist das Symbol dieser zwei so glorreichen Epochen.

Kreuz aus geschmiedetem Eisen
Man glaubt, dass es Gaudí selbst war, der sich der Verwirklichung dieses Kreuzes annahm und nicht einer seiner Lehrlinge.

Bänke neben der Fassade
Es handelt sich um zwei Mosaik-Bänke, die mit der Trencadís-Technik hergestellt wurden. Sehr gut erkennt man das Handwerk des Schülers Domènec Sugrañes i Gras, welcher der Schöpfer der Bänke ist, da sich seine Trencadís-Technik mehr der von den Römern benutzten Technik ähnelt. Sie ist viel gleichförmiger, als die unbeständige von Gaudí benutzte Technik.

Bänke in Form einer Ellipse
Im Garten gibt es zwei große Bänke, eine vor der anderen. Durch ihre Akustik können zwei Personen, von denen jede an einem Ende sitzt, sich sehr leicht mit leiser Stimme unterhalten.

Stadtmauer der Burg
Die Überreste der ursprünglichen Stadtmauer der Burg von König Martí sind im Garten leicht zu erkennen, weil man ihre Baustruktur trotz der Ähnlichkeit zum neueren Bau aus dem 20. Jahrhundert sehr leicht unterscheiden kann.

Fassade des Torre Bellesguard

Obwohl die modernistischen Elemente nicht anzuzweifeln sind, ist der dominierende Stil an der Fassade des Torre Bellesguard neogotisch. Bei einem flüchtigen Blick erkennt man sofort, dass Gaudí von seinem üblichen Stil abweicht. Er benutzt mehrheitlich gerade Linien, wie man sie bei den Zinnen und an der Mauerseite auch sieht. Den Gegensatz bilden die abgerundeten Linien, die mit kleinen Schiefersteinen produziert wurden. Sie stammen aus der angrenzenden Bergkette Serra de Collserola. Ihre Formen und Farben sind nicht gewöhnlich. Sie wurden wegen ihren besonderen Eigenschaften auf Bitten von Gaudí von den Arbeitern des Bauwerks unterteilt. Dank der Vielfalt an den Farben der Steine und ihrer Anordnung ändert das Sonnenlicht, das auf die Fassade scheint, je nach Tagesstunde ihre Färbung. Das ist nur einer der Anreize des Turmes.

Einzelheiten Torre Bellesguard

Giebel
Er ist voll von Symbolik und man erkennt im Scheitelpunkt auf ihm das Kreuz. Es krönt die Fassade und ist eines der Merkmale des Architekten. Des Weiteren sieht man die vier Balken der Krone von Aragon.

Inschrift an der Eingangstür
Besagte Inschrift lautet: „Maria Puríssima sens pecat fou concebuda“ („María Purísima, ohne empfangene Sünde“).

Estrella de Venus
Es ist das Fenster ist in Form des Abendsterns (Estrella de Venus) mit acht Ecken und befindet sich über der Eingangstür zum Haus.

Rohrsystem
Die Besessenheit von Gaudí, alle Elemente des Gebäudes in seine natürliche Umgebung, in dem sie sich befanden, zu integrieren und sogar nachzuahmen, führt dazu, dass bis zum Rohrsystem der Seitenfassade alles so entworfen wurde als würde es sich um die Form eines Baumes handeln.

Das Innere des Torre Bellesguard

Wenn wir das Innere des Torre Bellesguard mit seinem Äußeren vergleichen, sehen wir, dass sie nichts gemeinsam haben. Das Innere des Landhauses Torre Bellesguard ist ein klarer Kontrast zu dem, was es von außen mit seinen burgähnlichen Formen ausstrahlt. Gaudí entschied sich beim Inneren deutlich für den Modernismus, wodurch die Hand des Künstlers sehr gut wiedererkennbar ist.

Drachen Terrasse

Ebenfalls sieht man seine übliche Fixierung auf das Erleuchten des Innenbereichs seiner Gebäude mit natürlichem Licht. Er behilft sich in diesem Fall mehrerer, sorgfältig angeordneter Gläser und verbessert und verstärkt die natürliche Leuchtintensität mittels der gipsüberzogenen und weiß bestrichenen Wände.

Der Drache auf der Terrasse
Von einer Ecke der Terrasse aus ist es möglich, die Drachenform zu erkennen, die Gaudí für diesen Teil des Turmes entwarf. Man kann sie vom äußeren Teil aus aber nicht sehen. Sie erregt die Aufmerksamkeit jedes Besuchers.

Lampe am Eingang
Wegen ihres farbigen, plombierten Glases und der Benutzung von geschmiedetem Eisen ist sie eines der auffälligsten Elemente am Eingang.

Lampe im Musiksaal
Wenn man sie umdreht, hat sie die Form der Krone von König Martí.

Lichtspiel
Das unterschiedlich gefärbte Glas, welches sich neben dem Balkon des kleinen Zimmers im 4. Stock befindet, soll abhängig von den Tagesstunden unterschiedliche Lichtspiele erzeugen.

Morgenstern
Vom Innenbereich aus ist die wunderschöne Farbe des Glases des Morgensternes (Estrella de Venus), der auch von außen sichtbar ist, besonders prächtig.

Decke mit dem Spinnennetz
Die konstruktive Lösung, für die sich Gaudí entschied, um den Giebel des Turmes zu stützen, war ein Dach, dessen Formen denen eines Spinnennetzes oder auch Meereswellen ähneln.

Empfehlungen

Viadukt
In der gleichnamigen Straße Calle de Bellesguard befindet sich ein Viadukt von Antoni Gaudí. Seine Konstruktion war an die des Turmes angebunden. Man kann es frei besichtigen. Lasst euch die Gelegenheit, eines der sehr wenig besuchten Werke des Architekten zu besichtigen, nicht entgehen.

Umgebung
Da sich das Torre Bellesguard recht weit von den zentralen Orten der Stadt entfernt befindet, raten wir euch, wenn ihr euch für einen Besuch entscheidet, dies gleich zu nutzen und die nahegelegene Tramvia Blau zu nehmen, die euch bis zur Plaça del Dr. Andreu bringt. Dort könnt ihr in einer der zwei Bars mit den besten Blicken über die Stadt etwas trinken gehen: die Mirabé und die Mirablau. Ihr könnt ebenfalls das nahegelegene CosmoCaixa (Wissenschaftsmuseum) besuchen, welches fast obligatorisch ist, wenn ihr mit Kindern reist.

Fotogalerie

Wo ist das Torre Bellesguard und wie kommt ihr hin?

Auch wenn es etwas entfernt liegt und der Hinweg etwas komplizierter als zu anderen Orten der Stadt ist, sehen wir den Besuch des Torre Bellesguard als unentbehrlich an, vor allem wenn ihr mehr als 3 Tage in der Stadt zu Besuch seid.


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Anschrift

c/ (Straße) de Bellesguard 16-20, Barcelona.

Besuchszeiten

Die Informationen zu den geführten und freien Besichtigungen seht ihr detailliert weiter oben.

Preise

Die Information seht ihr weiter oben.

Wie kommt ihr hin?

Busse: Linien 60, 123 und 196. Die Linien 22, 58 und 75 haben eine Haltestelle mit etwa 10 Minuten Fußweg vom Torre Bellesguard entfernt.

FGC: Av. Tibidabo und etwa 15 Minuten zu Fuß.

Nahegelegene interessante Orte

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Mirablau
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